Viermal in Folge
Stillstand ist keine Form konservativen Seins. Einen anderen Schuldigen zu finden auch nicht. Hin und wieder würde ein Blick über den Tellerrand genügen. Österreichs Eishockey zwischen steter Verbesserung und perpetuiver Verweigerung.
Jetzt ist es schon wieder passiert. Österreich steigt aus der A-Gruppe im internationalen Eishockey ab, wieder einmal, da die Lehren aus der Vergangenheit vom österreichischen Verband nicht gezogen wurden. Im Wissen einer stattfindenden WM muss die Zeitplanung in der Liga einfach überdacht werden, muss früher gestartet werden, um später auch früher fertig zu sein. Unsere Spieler waren stehend k.o. Das zeigt sich in haarsträubenden Fehlpässen, in zu wenig Aggressivität vorm eigenen Tor, fehlender Kreativität vorm gegnerischen Tor und in Stellungsfehlern, wie sie einer Profimannschaft nicht passieren sollten. So kassiert man gegen Mannschaften, die normalerweise auf Augenhöhe wären empfindliche Schlappen bis hin zu Debakeln. Für den Zuseher wirkt es, als würde die kollektive Arbeitsverweigerung das Handeln lenken.
Und das ist wirklich schade, denn im zeitgenössischen Eishockey-Sport hat Österreich eine schlagkräftige Truppe, der auch Erfolge zuzutrauen wären. Die relative Ausgeglichenheit der Liga fördert die Entwicklung guter Spieler. Freilich, wir sind nicht top und weit davon entfernt mit skandinavischen oder gar der nordamerikanischen Liga mithalten zu können, die steigende Qualität im heimischen Eishockey-Sport ist jedoch erkennbar. Doch was haben wir davon, wenn wir bei Weltmeisterschaften regelmäßig abkacken, weil die Spieler aus dem letzten Loch pfeifen und vor Erschöpfung fast sterben, als würde statt einem Eishockeyspiel der kollektiven Agonie gefrönt. Aber das ist der typisch österreichische Flair: Wir finden schon einen Schuldigen. Und das bleibt unsere ganz eigene Interpretation von Konservatismus – im Sport, wie in der Politik.