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Tweet, Tweet – Here come the Canaries

7. Juli 2011

Alles begann mit einer 1:7-Klatsche in der League One gegen Colchester. Alles begann mit dieser einen, kleinen Personalrochade. Der Sieger, nämlich des Duells und auch ganz allgemein, hieß Paul Lambert. Er ging trotz Kantersieg. Und er ging zum unterlegenen Team. Dort musste ihm Bryan Gunn weichen. Und seit eben jenem schicksalsträchtigen 1:7 sind die Canaries immer aufgestiegen. Jetzt stehen sie wieder in eben jener Liga, die sie 1992 mitbegründet haben: Der Premier League.

Das Manchester United des Championship (zumindest laut David Bevan vom Guardian) kehrt zurück zum Manchester United der Premier League. Woher die Parallele kommt? Einerseits haben die Fans beider Seiten gold-grüne Schals. Andererseits kommt der 41-jährige Paul Lambert aus demselben Vorortloch in Glasgow wie Sir Alex Ferguson. Die beiden wuchsen nur fünf Meilen voneinander getrennt auf – und 28 Jahren Unterschied. Aus eben jenem Vorortloch kommen – so ganz nebenbei erwähnt – auch Kenny Dalglish, David Moyes, Alex McLeish oder Steve Kean. Nun, das wars dann schon mit den Parallelen.

I’m the crap one

Jetzt kommt Paul Lambert mit seinen Vögeln in die Premier League. Top vorbereitet versteht sich: „I’ve watched a few games.“ Denn er hat weder gespielt, noch trainiert in der Premier League, jedoch immerhin mit dem BVB 1997 die Champions League gewonnen. Selbst da bleibt er bescheiden: „I played with world-class players. I was the only crap one.“ So schlecht kann er nicht gewesen sein, denn er musste immerhin Zinedine Zidane decken. Als Trainer hat er immerhin den Aufstieg in „the best League oft he world“ geschafft, als Best Manager des Championship, gewählt von der LMA, der League Managers Association.

Seit seinem Amtsantritt hat er auch respektable Zahlen: 99 Spiele, davon 56 Siege bei 23 Unentschieden und 20 Niederlagen. Das bedeutet eine Siegerquote von 56%. Was Norwich City ausmacht bzw. ausgemacht hat, waren die vielen Tore nach neunzig Minuten. Oft genug haben sie Tore geschossen, nach denen gar nicht mehr angestoßen wurde. Dafür musste Paul Lambert rotieren lassen, aber nicht in Felix Magath-Manier, sondern intelligent. So gesehen verwundert es nicht, dass er als Meister des Goldenen Händchens gilt, der weiß, wen er wann einwechseln muss, um die Partie zu drehen.

Vogelzucht an der Carrow Road

Wir erleben damit eine Premiere in der Premier League. Und mit Norwich City kommt auch ihr Stadion. Der süße, kleine Käfig an der Carrow Road, nicht unweit vom Bahnhof, nicht unweit vom Wensum-Fluss. Damit kehrt Norfolk zurück in die Premier League – wurde auch Zeit. In diesem Stadion gab es zwanzig Tage vor dem Platzsturm im Westen Wiens – und ja, man kann es Vorbild nennen – ebenfalls einen Platzsturm. Aber ohne dicke Griechen und damit auch ohne Gewalt. Dafür mit dem loyalsten Haufen der zweiten Liga. 25.436 Zuschauer pro Spiel macht den dritten Platz bei den Attendances – jedoch ist das Stadion an der Carrow Road eher klein. Jetzt haben sich Klub und Fans gegenseitig angetrieben. Einerseits über 21.000 verkaufte Saisonkarten für die Premier League, andererseits einen Stadionausbau, wenn der Verein zwei Jahre in der höchsten Klasse überleben sollte.

Runter mit den Spendierhosen, Unbesiegbarer

Dabei musste Paul Lambert bangen und zittern. Es wurde nach dem 1:0 auswärts bei Portsmouth gemunkelt, dass ihm seine Spieler beim nächsten Heim- und gleichzeitig letzten Saisonspiel gegen Coventry City bis auf die Unterhosen ausziehen würden. Denn Sheffield United stieg vor rund zwanzig Jahren auch im Eiltempo von der dritten in die erste Liga auf, woraufhin die Spieler dem damaligen Trainer Dave Bassett tatsächlich bis auf die blütenweißen Shorts auszogen. Vorsorglich soll er dann auch wirklich die weißesten seiner weißen Boxershorts getragen haben.

Hip Hip Hurra

Den Siegtreffer zum fixen Aufstieg erzielte der in Bestform (sein siebtes Tor im neunten Spiel) spielende Simeon Jackson im Fratton Park. Er entlockte dem sonst als besonnen geltenden Paul Lambert einen Luftsprung. Nach dem Spiel war es dann vorbei mit Bescheidenheit: „My team have been absolutely brilliant. They’re the ones who play the game. The fanbase also has been extraordinary.” Die englische Version von “Hip Hip Hurra, alles ist super, alles ist wunderbar”.

Vater und Mutter des Erfolgs sind Fernsehköchin Delia Smith mit Ehemann Michael Wynn-Jones. Die beiden übernahmen einen Klub, der vollkommen hinüber war und haben ihn seither – seit 1996 – stabilisiert. Jetzt sind die Majority-Shareholder am Wensum. Sie haben sich mit Paul Lambert zusammengesetzt und jetzt kräftig eingekauft, denn die Kanarienvögel gelten als Yo-Yo-Verein und wechseln – wie böse Zungen behaupten – öfter die Liga, als so mancher Brite seine Shorts.

Something old, something blue, something borrowed, something new

So wechselt jetzt der 22-jährige Stürmer James Vaughan von Everton an den Wensum. Er erzielte im April 2005 als jüngster Spieler der Premier League-Geschichte ein Tor gegen Crystal Palace. Für eben jenes Team spielte er letzte Saison. Ihm folgten der 27-jährige Stürmer Steve Morison von Millwall, der 22-jährige Belgier Ritchie De Laet von Manchester United (damit schließt sich der Kreis des Manchester United des Championship) und der 22-jährige Flügelflitzer Elliott Bennett von League-One-Aufsteiger Brighton & Hove Albion, sowie Mittelfeldmotor Bradley Johnson von Leeds United.

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