Yachten, Glamour und Boutiquen – Yeah?
Es war ein trauriger Tag für den englischen Fußball. Sheffield United musste den Gang in die League One, die dritte englische Liga angehen. Der Traditionsverein mit Johnny Ertl an Bord schlittert damit eine Klasse tiefer. Doch die Fans gaben Zuspruch.
Aber: Es war auch ein guter Tag für den englischen Fußball, weil mit den Queens Park Rangers ein Traditionsverein in die Premier League zurückkehrt. Aber es gibt ein weinendes und ein lachendes Auge, weil der Verein von der Loftus Road nicht mehr und nicht weniger als ein Spielball mediengeiler Formel-1-Zampanos ist. Und die machen bekanntlich lieber abseits der Sportstätten Schlagzeilen; warum sollte es hier anders sein…
Schlagzeile 1: Carlo Ancelotti
England ist ein wunderschönes Land. Fußballergebnisse sind in erster Linie noch auf sportliche Leistungen zurückzuführen, es werden keine Fans von der berittenen Polizei erschossen und die Wetten bleiben meist in einem halbwegs legitimen Rahmen. Wenn Fan oder Verantwortlicher das Stadion betritt, muss er auch keine Passkontrollen durchlaufen oder sich nackt ausziehen. Es ist das Paradies, das Eden, der Garten schlechthin auf Erden. Warum also, hat sich Carlo Ancelotti gefragt, soll ich gehen? Da bringt er sich lieber als neuer Manager der Queens Park Rangers ins Gespräch, weil ja er Italiener und Playböy Flavio Italiener und überhaupt. Perfettamente, e? Aber nein, die halbe Formel1-Welt hat bestätigt: WARNOCK BLEIBT TRAINER! (obwohl er ja bei West Ham United als Avram Grant Nachfolger im Gespräch war)
Schlagzeile 2: Transfers und FA-Disziplinarkommission
Ein funktionierender demokratischer Staat baut auf Legislative, Exekutive und Judikative. Nun ist England sicher nicht das Aushängeschild der Demokratie – gottlob –, aber die Anschuldigen von Mark Palios (Former Chief Executive der FA) in Richtung der FA, sie sei die Vereinigung der drei Säulen, sind nicht ganz ins Leere geschossen. Ist die FA noch unparteiisch? Denn statt des erwarteten Punkteabzugs rund um die die Transferquerelen um Alejandro Faurlin zwecks Third-Party-Owning gab‘s nur eine Geldstrafe – mir drängt sich ein hinkender Vergleich zur Admira auf, oder zu Rapid, oder so ganz generell zu allem im österreichischen Fußball. Denn Palios findet richtigerweise das Involvieren von FA-Mitgliedern bei der Entscheidung fragwürdig. Das wäre, als würde das Exekutivkomitee der FIFA die FIFA abstrafen – Unfug eben. Denn die Entscheidung der Geldstrafe gegen den Punkteabzug wurde begründet mit einem gefürchteten Chaos rund um Aufstieg, Relegation usw. Als würde das Versetzen eines Geisterspiel-Derbys wegen des Mehr-Aufwandes gerechtfertigt sein – erneut Unfug.
Schlagzeile 3: Boards
Wem gehören die Queens Park Rangers jetzt eigentlich? Nun ja, der halben Formel1-Welt gehört sicher ein Teil. Ein indischer Stahl-Magnat namens Akshmi Mittal mit seinem Schwiegersohn Amit Bhatia ist auch noch dabei. Und da wäre dann noch Flavio „der graumelierte Casanova“ Briatore. Jedem gehört ein bisschen, Ecclestone gehört ein bisschen mehr. Chairman ist übrigens wieder ein anderer, nämlich Gianni Paladini. Jetzt sind sie mit ihrem Spielzeug aufgestiegen, nachdem die QPR 15 Jahre gefehlt haben. Wen interessiert‘s? Keinen. Da tauchen andere Fragen auf. Was ist da wirklich bei den Transfers gelaufen? Warum kein Punkteabzug? Wen hat Flavio jetzt wieder geschwängert? Welche politische Einstellung hat Bernie jetzt wirklich? Gibt es bald ein Formel1-Rennen die Loftus Road rauf und runter? Dominiert Red Bull auch das Training der QPR? Gibt es im Fußball eigentlich ein Zwischengas? Und Stallorder? …
Schlagzeile 4: Preisanpassung
40% teurer. Als würde das Bier nicht mehr 3,50 Euro kosten, sondern 4,90 Euro. Die pandemonische Apokalypse schlechthin. Und das soll jetzt auch nicht ironisch gemeint sein. Darüber macht niemand ungestraft Witze. 72 Pfund wird ein Ticket kosten – also fast 80 Euro –, das billigste 47 Pfund, in den Weiten der Botanik der Loftus Road bei Spielen gegen Kassenhauer wie Eastbourne im FA Cup. Um 72 Pfund würde man trotz Preiserhöhung sechzehn Bier bekommen. Kein Wunder, dass die Fans gefrustet sind. Hinzu kommt, dass die 40% Preiserhöhung auf Saisonkarten auf vier Spiele weniger kommt. Da gehen dem Sunnyboy Flavio und dem Liebhaber historisch rechten Gedankenguts – der sich 2009 noch ein bisschen mehr Hitler bei zeitgenössischen Politikern wünschte – ein bisschen die Formel-1-Pferde durch. Folgerichtig bezeichnete Paul Finney von der R-Website den Klub als „Boutique“. Exklusivität, Snobismus, Schickeria-Schickimicki und „I love it“-Opportunismus pur. Nichts für den wahren Fußballfan, der mehr Biss will als die Zähne auf den Lacoste-Shirts verheißen. Ein Fan will sich einmal im Leben ein Pub kaufen, das von Betrunkenen jeder Coleur umkreist wird, und keine Yacht, die von Paparazzi umkreist wird. Vor allem: Der Verein hat mit Fulham und Chelsea zwei sehr nahe Nachbarn, die – auf jeden Fall – besseren Fußball und mehr Bier bei weniger Prosecco – ok, zumindest einer davon – versprechen.
Schlagzeile 5: Verjag doch den Inder!
Am Ende der Geschichte steht der Abgang von Amit Bhatia, dem die ganze Sache – vor allem aber die hohen Eintrittspreise – zu blöde wurde. Eine Offizielle Stellungnahme der Inders sprach von „Differenzen“ – no na –, böse Zunge von einem gescheiterten Putsch gegen Ecclestone. Jetzt ist der Inder nicht mehr Vizepräsident und wird auch trotz der 33% Anteile nicht mehr gefragt.
Immerhin: Es wird auch Fußball gespielt
Neil Warnock will insgesamt fünf bis sechs Verstärkungen für die neue Saison. Diese Forderung wiederum ist das Ergebnis eines innigen Gesprächs mit Blackpool-Manager Ian Holloway, der Warnock riet, mit einem dichten und starken Kader die Saison zu beginnen, weil Verletzungen für Ausdünnungen sorgen würden. Geballte Kompetenz also. Aber keine ausländischen Spieler, bitte. “I am not against foreign players as such – in fact there’s three on my list – but some of the names we’ve been linked with over the past few weeks, I’ve either barely heard of or I’m not interested,” said Warnock. “If I get a DVD sent to me and it’s only got the highlights of someone’s career, it goes straight in the bin. If it’s got an entire game and that player’s part in it then I’ll have a look, or one of my staff will, and then we’ll follow it up in person.” Wie gesagt, geballte Kompetenz.